· 

IISA Ice Triple Crown, 25. Februar 2024, Lac Aguelmam Sidi Ali (Marokko)

Der internationale Weltverband der Eisschwimmer (International Ice Swimming Association - IISA) zertifiziert verschiedene vordefinierte Leistungen. Unter anderem die „ICE 7“, vergleichbar mit den „Oceans 7“ im Marathonschwimmen oder den „7 Summits“ als eine der Herausforderungen im Alpinismus, bei denen es gilt jeweils den höchsten Berg jedes Kontinents zu besteigen. Als Teil der ICE 7 Challenge, bei der auf jedem Kontinent und entweder in der Arktis oder in der Antarktis eine Eismeile zu schwimmen ist, sowie eine Meile davon als „ICE Zero Mile“, also als Meile unter 1°C Wassertemperatur geschwommen werden muss, wurde die ICE TRIPLE CROWN entworfen. Die Ice Triple Crown ist definiert als Absolvierung einer Eismeile (1,609 km) in einer Wassertemperatur von unter 5°C ohne Wärmeschutz nur in Badehose oder Badeanzug, sowie Schwimmbrille und einer Badekappe im nördlichen Teil der Erdkugel (somit auf einem der nördlichen Kontinente: Europa, Asien, Nordamerika, Arktis), eine Eismeile auf dem südlichen Teil der Erdkugel (auf einem der südlichen Kontinente: Afrika, Australien/Ozeanien, Südamerika, Antarktika) und als dritte Herausforderung ein ICE Kilometer bei einer Welt- oder nationalen Meisterschaft in einem Pool.
Nachdem DARINGER durch seine beiden Eismeilen im Achensee im Jahr 2021 schon jeweils das „nördliche“ Kriterium erfüllt sah, auch den ICE Kilometer bei Meisterschaften mehrmals absolviert hatte, war nur mehr ein Teil für die vollständige ICE Triple Crown notwendig. „Aus meiner bisherigen Erfahrung aber, wusste ich um die Gefahren und Herausforderungen rundum einer Eismeile und hatte Respekt wieder davor. Und obwohl ich erfahren bin und durch regelmäßige Exposition in der Kälte definitiv als trainiert angesehen werden kann, ist eine Eismeile doch nochmal eine andere Kategorie. Da hier an Grenzen gegangen werden muss, die im normalen Training und auch bei Aktivitäten bis zu einem Kilometer im Normalfall nicht erreicht werden/müssen, ist die Vorbereitung klar eine andere als nur zu einem normalen Eisschwimm-Wettkampf“, so der der frischgebackene Triple-Crown-Gewinner Gerald DARINGER.
Während der Recherche Daringers rundum einer Eismeile auf einem Süd-Kontinent wurde sofort klar, dass es eigentlich nur 2 Möglichkeiten dazu gibt: Entweder man „reist“ dem Winter nach, dh. wenn auf der Nordhalbkugel der Erde der Winter endet, beginnt der Herbst und Winter auf der Südhalbkugel, und hat Zeit und Geld um sozusagen am Ende des nördlichen Winters auf die Südhalbkugel zu reisen um im Training zu bleiben und absolviert eine Südmeile dann während unseres nördlichen Sommers, oder aber man findet eine ausreichende hochgelegene Möglichkeit während des Nord-Winters auf einem Südkontinent. „Für eine Eismeile ist eine zielgerichtete, mehrwöchige und regelmäßige Vorbereitung notwendig, dh. ein Versuch einer Eismeile ohne winterlichen Trainings während unseres Sommers ist sicherlich weder ratsam noch wirklich realistisch möglich“, so Daringer.
Dies dürfte auch die allgemeine Erklärung dafür sein, dass erst insgesamt 13 Menschen weltweit die Ice Triple Crown absolviert haben. Erst 8 Männer und 5 Frauen sind bisher Gewinner:innen der ICE TRIPLE CROWN, natürlich alles keine unbekannten Persönlichkeiten im Eisschwimmen. Fasziniert von dem Gedanken, ob es nicht doch möglich sein könnte eine Süd-Kontinent-Eismeile während unseres Winters schwimmen zu können, kontaktierte Daringer den Ice Hero Ger Kennedy aus Irland, der sein offizieller Observer werden sollte. Kennedy gilt als der erfahrenste Eisschwimmer der Welt, komplettierte als erste Mann die ICE 7 und hält mehrere Guinnes Weltrekorde rundums Eisschwimmen und im Channel Swimming weltweit. Um die strengen, vorgegebenen Regeln der IISA (International Ice Swimming Association) einhalten zu können, ist nicht nur eine detaillierte Vorbereitung und ein Safety-Plan mit Rettungskette notwendig, sondern auch einiges an offiziell, zertifizierten Personals, das die Gültigkeit verifizieren kann. 
Daringer: „Die Vorfreude und die Spannung waren groß, denn es war ja nie klar, ob wir wirklich die notwendigen Wassertemperaturen zu diesem Zeitpunkt erreichen können. Immer wieder durchforsteten wir Wetterberichte, Satellitenbilder und Prognosen der letzten Jahre um irgendwie Sicherheit für das Gelingen dieses Vorhabens zu bekommen“. Immer mehr wurde klar, dass das Schwimmen als solches eigentlich die geringste und kleinste Herausforderung war und die Vorbereitung, die Reisedetails, die Organisation und die Logistik für Recovery und einen etwaigen unvorhergesehenen Notfall in so einem fremden Land eher die größte Challenge war. „Vor allem die Rettungskette, die Vorort dann stehen und auch funktionieren muss, die Begleitung durch ein Boot am See und das Recovery waren mit viel Aufwand und durch Mithilfe von unserem Guide Karim Boutellaka und dem Hotel-Team unserer nahegelegenen Unterkunft möglich“, so Daringer.
„Die physischen und psychischen Vorbereitungen im Training liefen gut, immer mit dem Risiko, dass es auch nicht gelingen könnte, die Wassertemperatur zu erreichen und dann nur einen teuren Ausflug nach Afrika zu haben. Zwei Wochen vorher bekamen wir ein Foto und Video von Karim geschickt, informierend, dass die Wassertemperatur bei über 7°C liegen würde und die Lufttemperatur immer auch über 15°C untertags wäre“, so Daringer.
Die größte Hoffnung war aber, dass die Lufttemperatur in der Nacht so tief sinkt, dass auch die Wassertemperatur bis am Morgen hin abfallen könnte. Verknüpft mit sehr heftigen Winden wäre somit die Möglichkeit einer optimalen Wassertemperatur zum Eisschwimmen gegeben, wenngleich es bedeutet, dass in den frühen Morgenstunden bzw. zu Sonnenaufgang geschwommen werden muss, da die Wassertemperatur nach Sonnenaufgang sicherlich wieder steigen würde. 
Daringer: „Zu diesem Zeitpunkt als wir Infos von Karim bekamen, stiegen auch in Österreich wieder die Lufttemperaturen und damit auch die Seetemperaturen. Was bei normalen Trainings sicherlich angenehm ist, ist für ein Eismeilen-Training als Vorbereitung eher ungünstig, da immer der Gedanken bleibt: ist es bei 1-2 Grad weniger auch auszuhalten und möglich? Es blieb stets die Unsicherheit nicht genau zu wissen, wie es sich anfühlen wird und wie es sein wird wieder mal dort zu sein, wo man selber schon lang nicht mehr war oder vielleicht sogar noch nie war. Mental erfordert diese Art von Gedanken und Training einiges an gutem Mindset und Gedanken-Techniken bei denen man den Fokus lenken lernt. Natürlich trainiert man bei höheren Wassertemperaturen durchaus länger um auf ähnliche Konditionen der Kälteexposition zu kommen, dennoch ist es aber so, dass es nie das Gleiche ist und somit nicht wirklich nachahmbar. Vor allem weil bei niedrigeren Temperaturen bzw. bei sehr niedrigen Temperaturen in der Empfindung jedes Grad an Wassertemperatur Richtung Gefrier-Nullpunkt eine Welt an Unterschied darstellt. Wäre dies nämlich möglich, dann könnte man meinen auch mit einem Schwimmtraining in 10°C Wassertemperatur sich auf eine Eismeile vorbereiten zu können, wenn man nur lang genug drinnen bleibt: ich kann mit Sicherheit sagen, das ist nicht so und auch so definitiv nicht möglich, da physiologische Vorgänge komplett anders ablaufen, Kreislauf- und Stoffwechsel sowie die Psyche ganz anders beansprucht werden in Temperaturen nahe dem Nullpunkt“
Am Anreisetag des letzten Februarwochenendes wurde noch eine Wassertemperatur von 6,6°C im See des Atlasgebirges Lac Aguelmam Sidi Ali auf 2100m Seehöhe in der Hochebene der Provinz Khenifra in Marrokko gemessen. Am Morgen des zweiten Tages (Samstag) lag sogar ein wenig Schnee, es gab leichten Schneefall, starken Wind und die Lufttemperatur war bei -2°C um 07:45 Uhr. „Ich spazierte zum Ufer des Sees in meinen Flipflops, stieg ins Wasser und spürte sofort, wir sind genau dort wo wir hinwollen. Ich nahm mein Thermometer, hielt den Messtab ins Wasser und freute mich über die Zahlen auf dem digitalen Display: 4,7°C !!!! Unglaublich. Vor lauter Freude, dass wir offenbar alles richtig gemacht haben, zufällig den richtigen Zeitpunkt erwischt haben und am richtigen Ort für unser Vorhaben nun stehen, informierte ich Ger Kennedy, der noch im Quartier war. Eine Stunde später waren wir für ein Testschwimmen im Wasser. Ich schwamm 850m bei idealer Wassertemperatur, aber extremen Windbedingungen, es war knackig heraussen, aber im Wasser einfach unbeschreiblich, vielleicht auch nur weil ich so erleichtert und euphorisch war. Wir konnten auch dabei gleich das Recovery und das Ablauf-Prozedere üben und testen. Alles war ideal, die Sauna, der Pool, die Nähe zum Wasser. Perfekt. Somit stand der Umsetzung und dem Gelingen nichts mehr im Wege.“, so Daringer.
Am Sonntag morgen 26.02.2024 kurz nach Sonnenaufgang startete Gerald Daringer dann vom Westende des Sees aus bei schier idealen Bedingungen und schwamm als erster Österreicher nicht nur eine Afrika-Eismeile bei einer Wassertemperatur von 4,67°C in einer Zeit von 29min 21 Sekunden, sondern krönt sich damit als erster Österreicher zum IISA ICE TRIPLE CROWN Gewinner. 
Daringer: „Ich bin immer noch überwältigt von dem Erfolg, nach all den Anstrengungen der letzten Tage und Wochen und froh, dass es nun so gelungen ist. Jetzt muss nur noch die Eismeile offiziell anerkannt und zertifiziert werden“.
Auf die Frage „Warum macht man sowas?“, antwortet Daringer schmunzelnd: „Erstens, weil es gut ist im Leben einen Ausgleich zum Alltag zu haben, zweitens, weil es mir guttut und ich mir damit gesundheitlich was Gutes tun kann mit der Kälte, drittens weil auch Abenteuer im Leben wichtig sind und viertens, weil ich es kann und gerne mit persönlichen Herausforderungen wachsen und besser werden möchte“. 
Zur Person:
Mag. Gerald DARINGER (47) - wohnhaft in Telfes im Stubai, gebürtiger Oberösterreicher aus Schwanenstadt/Redlham
AHS-Bundeslehrer, staatlicher geprüfter Trainer für Schwimmen, Leichtathletik und Skispringen, Biomechanik-Experte, ehemaliger ÖSV Cheftrainer der Damen-Skisprung Nationalmannschaft rundum Daniela Iraschko, Jacqueline Seifriedsberger und Chiara Kreuzer-Hölzl, Extrem-Sportler und Präsident des Tiroler Behindertensportverbandes
Erfolge:
IISA ICE TRIPLE CROWN Gewinner, als erster Österreicher und 9. Mann weltweit 2024.
WM-Bronze-Medaille über 50m Rücken Agegroup 45-49 bei den 5. IISA Weltmeisterschaften im Eisschwimmen in Samoens FRA 2023
WM Platz 4 über 100m Rücken und WM Platz 6 über 500m Freistil Agegroup 45-49 bei den 5. IISA Weltmeisterschaften im Eisschwimmen in Samoens FRA 2023
5-facher Österreichischer Rekordhalter im Eisschwimmen (Extreme Ice Mile, 1.000m Freistil, 50m Rücken, 100m Rücken, 100m Lagen)
4-facher Staatsmeister 2020 im Eisschwimmen (Wassertemperatur unter 5°C) - schnellster Österreicher im Eiswasser über 25m, 50m, 100m, 200m
Staatsmeister 2023 im Eisschwimmen über die Königsdisziplin 1.000m Freistil 
Vize-Staatsmeister 2023 im Eisschwimmen über 250m Freistil 
3-facher Staatsmeister 2024 im Eisschwimmen über 1.000m Freistil, 500m Freistil, 250m Freistil 

 

Bericht: Gerald Daringer